Riesengebirgsmuseum

Deutschland -> Bayern -> Ostallgäu -> Marktoberdorf


Im Zuge der gewaltsamen Austreibung der deutschen Bevölkerung aus
den ehemaligen ostdeutschen Provinzen, aus dem Sudetenland und den
südosteuropäischen Sprachinseln in den Jahren 1945/46 kamen im
Herbst 1946 drei Transporte mit rund 1800 Personen aus dem sudetendeutschen
Riesengebirge nach Marktoberdorf und sein Umland. Diese
Menschen stammten aus dem ehemaligen Landkreis Hohenelbe. Sie
fanden hier im Ostallgäu eine neue Heimat. Der 1955 gegründete Heimatkreis Hohenelbe/Riesengebirge, dessen
Ziel es ist, das Andenken an die alte, verlorene Riesengebirgsheimat zu
bewahren, begann von Anfang an eine Sammlung heimatlicher Gegenstände
alter Haus- und Handwerksgeräte, Bilder, Bücher, Karten,
Fotos und andere Zeugnisse des Lebens in der alten Heimat anzulegen.
Es sollte ein, wenn auch unvollkommener Ersatz jener nicht mehr
zu ersetzenden Schätze werden, die im deutschen Riesengebirgs-
Museum in Hohenelbe zurückgelassen werden mussten.
Erstaunlich, was sich im
Laufe der Jahre aus dem
wenigen Mitgebrachten
zusammenfand! 1956 gab der
Heimatkreis dem
Kartographen Richard
Bienert, der in Krugzell eine
neue Bleibe gefunden hatte,
den Auftrag, ein
Riesengebirgs-Relief
anzufertigen, das eine
plastische Darstellung des Gebirges und seines Vorlandes vermittelt.
Mit einer Beleuchtungsanlage versehen, bildet das 1,8 x 2,2, m große,
im Maßstab 1:25000 gefertigte Relief heute den Mittelpunkt des Museums.
Im Jahre 1960 hatte die Stadt Marktoberdorf im ersten Stock des alten
Rathauses dem Heimatkreis zwei Räume mit etwa 50 qm für die
Sammlung zur Verfügung gestellt. Hier fand das provisorische Riesengebirgsmuseum
seine erste Bleibe. Es wurde am 20.08.1960 von Bürgermeister
Anton Schmid feierlich eingeweiht.
Im April 1963 übersiedelte das Riesengebirgsmuseum
in das Martinsheim in der
Eberle-Kögl-Straße, wo es im zweiten
Stock neben einem Teil des Stadtmuseums
untergebracht ist.
Dank dem Engagement vieler Landsleute
und der steigenden Unterstützung durch
die Stadt konnte das Museum im Laufe
der Zeit mustergültig eingerichtet werden
und erfreut sich heute großer Beliebtheit
bei vielen Besuchern aus Nah und Fern.
Vier Landsleute vor allem haben sich um
das Zustandekommen, die Einrichtung,
die Pflege und die Funktionsfähigkeit des Museums besondere Verdienste
erworben: der langjährige Museumswart Richard Flögel, (1904 – 1990),
Altbürgermeister Lutz Vatter, Werner Gottstein und der heute ehrenamtlich
„diensttuende“ Museumsverwalter
Gottlieb Fischer, der von der „Museums-
Mutter“ Gerda Gottstein bestens unterstützt
wird.
Richard Flögel und Gottlieb Fischer ist es zu
verdanken, dass das Riesengebirgsmuseum
in seiner Vielfalt und Präsentation ein Abbild
der alten Heimat wiederspiegelt und sich
nicht nur Riesengebirgler an den
Ausstellungsstücken erfreuen.
Der interessierte Besucher kann alte
Gemeinde- und Vereinschroniken ebenso
betrachten wie Gesellen- und Meisterbriefe,
Zunfturkunden, kirchliche und historische
Dokumente, Glas und Porzellan. Zahlreiche Ölgemälde, Aquarelle und
Stiche zeigen die Schönheiten des Riesengebirges, das ja als Kunstlandschaft
bedeutende deutsche Maler, wie Caspar David Friedrich oder Ludwig
Adrian Richter, in seinen Bann gezogen hatte.
Die Freunde alter Trachten, barocker
Hauben, ländlicher Kopftücher und
festlicher Umhängetücher kommen
gleichermaßen auf ihre Kosten wie der an
Hausrat, Arbeitsgeräten und
Handwerkszeug interessierte Heimatfreund.
Natürlich ist auch Rübezahl, der
Schutzgeist des Riesengebirges, in
vielerlei Gestalt, in zahlreichen Büchern
und Darstellungen im Museum präsent.
Die Stadtfahne von Hohenelbe, unter
lebensgefährlichen Umständen im Mai
1945 gerettet, erinnert an die einst
blühende deutsche Stadt am Oberlauf der
Elbe. Ein eigener Raum ist der Vertreibung
1945/46 gewidmet, als nahezu alle der
rund 50 000 deutschen Bewohner des einstigen Kreises Hohenelbe ihre
Heimat verlassen mussten.








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Riesengebirgsmuseum Marktoberdorf