Heimatmuseum Mehrstetten

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Himmlisch muss es sich hier schlafen: Rosen und zarte Maiglöckchen wachen über süße Träume, darüber spannt sich ein bemalter Himmel. Doch für ein Nickerchen in der liebevoll restaurierten Bettstatt aus den Lutherischen Bergen, in der vor über 150 Jahren Maria Bausch ihr Haupt nach langer Tagesarbeit zur Ruhe bettete, wäre die Zeit eigentlich viel zu schade. Statt dessen zieht es einen weiter auf dem Gang durch das Heimatmuseum von Mehrstetten, in dem das harte dörfliche Leben auf der Albhochfläche im 19. Jahrhunderts wie in einer Momentaufnahme entstehen lässt.

Da lockt die Küche mit dem alten Holzherd und Butterfass. Die gute Stube, wo über dem Ofen Schuhe und Wäsche zum Trocknen hängen und bäuerliche Kunst uns ein Bild vom Leben erzählt, als Fernseher, PC und Radio noch nicht in den Stuben standen.

Außergewöhnliche Stücke haben die Mitglieder des ehrenamtlich geführten Museums im ehemaligen Farrenstall von Mehrstetten in jahrelanger Arbeit zu einer wertvollen wie detailreichen Sammlung zur Heimatgeschichte der Region zusammengetragen. Nicht nur das Himmelbett von Maria Bausch nebst Schrank gehört dazu: Wahre Schätze sind die acht Gedenkbilder aus dem 19. Jahrhundert, die Walburga Enderle und ihre Schwester einst aus Haaren und Laubsägearbeiten fertigten.
Zeit sollte sich der Besucher vor allem für die wohl einzigartige Sammlung von Leinensäcken nehmen. Als der Grüne Punkt noch nicht erfunden war, gehörten sie zum wertvollsten Besitz der Menschen. So wundert es nicht, dass die aus robustem Tuch gefertigten Säcke nicht nur sorgfältig gepflegt, geflickt und bis zum letzten Zipfel recycled wurden: Mit tiefschwarzer Farbe drückten die Familien ihrem Eigentum Namen und Wohnort auf. Meist finden sich zudem Statuszeichen, die vom Beruf oder Stand des einstigen Besitzers erzählen. Sogar Besitzerwechsel kann man dem Leinen heute noch entnehmen.

Der älteste Sack aus dem Jahre 1806 weist mit verwaschener Schrift Juditha Gaugerin aus Ohnastetten als Eignerin aus. Selbst aus Gruorn, dem verlassenen Dorf auf dem ehemaligenTruppenübungsplatz Münsingen findet sich ein Sack. Seltenheitswert hat auch der von Salomon Löwenthal, einem Juden aus Buttenhausen. Über 200 Stück stark ist die Sammlung des Museums inzwischen - beileibe nicht alle können gezeigt werden. Dazu gehört natürlich eine mit handbetriebene Ausklopfmaschine, mit dem das letzte Stäubchen Mehl aus dem Leinen geholt wurde - echt schwäbisch eben.

Nicht nur viel zu sehen, sondern auch zu erleben gibt es im Mehrstetter Museum: Zu den Schau- und Handwerkertagen glüht in der alten Schmiede die Esse, sprühen Funken, wenn der Hammer auf das heiße Eisen niedersaust. Nebenan treibt der Wagner die Transmission an und der Weberin darf der Besucher im Dunk beim harten Tagwerk am über 400 Jahre alten Webstuhl über die Schulter schauen.









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